Oberhessische Presse: Redaktions-Mantel künftig aus Hannover

Als „absolut verantwortungslos“ bezeichnet die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Hessen die Reaktion der Geschäftsführung der Oberhessischen Presse (OP) auf einen Streik der Redakteurinnen und Redakteure. Die Mantelredaktion, die den überregionalen Teil der Tageszeitung erstellt, werde mit sofortiger Wirkung geschlossen, teilte die Geschäftsführung den Beschäftigten mit. Stattdessen solle der Mantelteil ab sofort vom Mutterhaus des Madsack-Konzerns in Hannover bezogen werden.
Mit Warnstreiks hatte die Redaktion in den letzten Wochen die Forderung der beiden Journalistengewerkschaften DJV und dju in ver.di nach dem Abschluss eines Tarifvertrags unterstützt. Die OP hatte sich 2008 mit Tarifflucht dem Flächentarifvertrag entzogen und seitdem neueingestellte Redakteurinnen und Redakteure nur noch zu weit untertariflichen Konditionen beschäftigt. Sie erhalten monatlich bis zu 1.000 Euro weniger als nach Tarifvertrag. Auch den schon länger tätigen Journalistinnen und Journalisten wurden, anders als in den Vorjahren, zuletzt die Leistungen aus dem Flächentarif nicht mehr vollständig gewährt.

Verhandlungen mit den Gewerkschaften hat die Geschäftsführung bisher kategorisch abgelehnt. Jetzt setzt sie offenbar auf einen harten Konfrontationskurs, um die Belegschaft einzuschüchtern. „Wir gehen allerdings davon aus, dass die Schließung der Mantelredaktion mittelfristig ohnehin beschlossene Sache ist“, sagt Manfred Moos von ver.di Hessen. Die Konzernplanung sehe die Einrichtung einer zentralen Mantelredaktion in Hannover vor, die alle Madsack-Blätter beliefern soll. „Jetzt den Redakteurinnen und Redakteuren wegen eines Warnstreiks die Schuld zuzuschieben, ist zynisch und verantwortungslos.“ ver.di fordere die Geschäftsführung auf, unverzüglich die Blockade von Tarifverhandlungen aufzugeben und jede kurzfristige Schließung von Redaktionen zu unterlassen. Über die zukünftige Konzernstruktur müsse ernsthaft mit den Betriebsräten verhandelt werden, ohne vorher einseitig Tatsachen zu schaffen. „Aus Rachegelüsten betriebene Strafaktionen sind eines großen Verlagshauses unwürdig“, sagt Manfred Moos.

Madsack gibt zahlreiche Tageszeitungen insbesondere in Norddeutschland heraus und gilt als fünftgrößtes Zeitungshaus in Deutschland. In Hessen gehören neben der OP in Marburg auch die Waldeckische Landeszeitung in Korbach, die Frankenberger Zeitung und die Gelnhäuser Neue Zeitung zum Konzern. An der Verlagsgesellschaft Madsack ist die SPD über ihre Medienholding ddvg mit 23,1 Prozent beteiligt.

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