SPD-Schatzmeisterin sieht „Medienkrise“ als Grund für ihre Weigerungshaltung, über Tarifvertrag zu verhandeln

Die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks hat auf ein Anschreiben der KSC-Streikenden geantwortet. Obwohl es seit 13 Jahren keine Erhöhung der Löhne gegeben hat, nimmt sie die aktuellen Veränderungen am Medienmarkt als Grund für die Weigerung, mit ver.di einen Tarifvertrag über die Stundenlöhen zu verhandeln. Für die SPD geht es auch um eine ordentlichen Konzernrendite. Hendricks ist auch Generaltreuhänderin für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in Bezug auf die ddvg.

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Richtig ist, dass es über einen sehr langen Zeitraum keine Gehaltsanpassungen in dem Unternehmen gegeben hat. In diesem Sommer, so meine Informationen, ist aber die Geschäftsführung in diesem Punkt aktiv geworden und hat für die langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gehälter angehoben. Mit ist bewusst, dass wir bei der Call-Center-Branche über ein generell niedriges Lohnniveau reden. Soweit ich es beurteilen kann, liegt KSC im Branchenvergleich aber eher oberhalb des üblichen Levels.

Das konzerneigene Unternehmen KSC, so wurde versichert, erhält für seine Dienstleistungen im Konzern eine marktgerechte oder gar bessere Vergütung. Dennoch hat KSC in den Jahren 2011 und 2012 jeweils rund 300 T€ Verlust erwirtschaftet. Vor diesem Hintergrund stellen sich regelmäßige unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens vereinbarte Gehaltserhöhungen für die Geschäftsleitung als problematisch dar.

Nach meinen Informationen gibt es übrigens keine generelle Weigerung der Geschäftsführung des Unternehmens oder der Madsack-Konzerngeschäftsführung, einen Haustarifvertrag abzuschließen. Die Auseinandersetzung dreht sich demnach um die Frage der Konditionen, insbesondere wohl darum, ob regelmäßige Lohnerhöhungen erfolgen sollen.

Die Darstellung, die ddvg oder die SPD sei aufgrund „überzogener Renditeerwartungen“ verantwortlich für die Positionierung der Geschäftsführung in der Tarifauseinandersetzung, weise ich entschieden zurück. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass derartiges von Verantwortlichen der Mediengruppe Madsack geäußert wird. Die ddvg hat als Gesellschafterin selbstverständlich die Erwartung einer ordentlichen Umsatz – und Kapitalrendite. Sie ist sich aber im Klaren darüber, dass die seit Jahrzehnten gelernten Ausschüttungshöhen bis auf weiteres nicht mehr erreicht werden können.

Seitens der Geschäftsführung der ddvg wurde – zuletzt in einer Debatte mit dem Gesamtbetriebsrat der Mediengruppe Madsack – diese Renditeerwartung immer mit den Herausforderungen der Medienstrukturkrise begründet. Es geht darum, die Unternehmen zu stärken, nicht die Taschen der Gesellschafter unangemessen zu füllen. Dies wird in der Debatte leider häufig durcheinander gebracht. Gerade in Zeiten der Medienstrukturkrise benötigen die Verlage finanziellen Spielraum, um in neue (digitale) Geschäftsfelder investieren, den Umsatzeinbrüchen am Anzeigenmarkt trotzen und die hohen Aufwendungen für Produktion und Verbreitung eines Printprodukts weiterhin gewährleisten zu können.

Mit freundlichen Grüßen

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