Madsack-Geschäftsführer Düffert antwortet auf offenen Brief der IG Metall – und einen erneute Antwort

Sehr geehrte Damen und Herren des Ortsvorstandes der IG Metall Hannover,

vielen Dank für Ihre email vom 16.12.2013 in Sachen KSC-Kunden Service Center GmbH & Co. KG (KSC). Ich möchte diese Mail gerne zum Anlass nehmen, Sie über den aktuellen Stand in unserem Call-Center KSC zu informieren. Dazu habe ich Ihnen im Anhang ein „Fact Sheet“ beigefügt, das der Geschäftsführer des KSC, Herr Nixdorf, vor kurzem erstellt hat, um jederzeit eine Kommunikation auf Sachebene zu ermöglichen.

Wie Sie dem „Fact sheet“ entnehmen können, ist die wirtschaftliche Lage des KSC äußerst prekär und hat sich nach dem Verlust des Kunden „Kieler Nachrichten“ sogar noch verschärft. Herr Nixdorf hat bereits im Mai 2013 Gehälter transparent und fair und unter strikter Behandlung des Gleichbehandlungsgrundsatzes erhöht. Besonders bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Gehälter des KSC trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation bereits heute auf (oder sogar über) dem Niveau von Verdi-Haustarifverträgen bei vergleichbaren Call Centern liegen. Weitere tariflich vereinbarte Gehaltshöhungen sind beim besten Willen nicht möglich, zu allen anderen Themen hat Herr Nixdorf bereits mehrfach Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diesen differenzierten Blick auf das KSC zur Kenntnis nehmen und bei Ihren weiteren Gesprächen einbringen.

Sie können selbstverständlich diese Mail ebenfalls als „offenen Brief“ ansehen.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Düffert

Thomas Düffert

Vorsitzender der Geschäftsführung

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7 Fakten zur Tarifauseinandersetzung beim KSC
Stand: 03.12.2013
1. Allgemeine wirtschaftliche Lage des KSC
Callcenter unterliegen einem harten Preis- und Qualitätswettbewerb. Schon jetzt kann das KSC beim Preiswettbewerb nicht mithalten: Im Vergleich zu anderen Callcentern sind die Preise, die das KSC verlangen muss, um wenigstens die Kosten zu decken, höher als bei vielen Wettbewerbern in Deutschland.
Gleichwohl schreibt das KSC „rote Zahlen“. Das Geschäftsjahr 2012 hat die KSC Kunden Service Center KG mit einem Unternehmensergebnis von minus 313 T€ abgeschlossen. Für 2013 rechnet die KSC-Geschäftsführung mit deutlich höheren Verlusten: das kumulierte Unternehmensergebnis für den Zeitraum Januar bis Oktober 2013 lag bei minus 397 T€. Für das Geschäftsjahr 2014 ist keine Besserung der wirtschaftlichen Lage abzusehen.
Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben liegt auch an den vergleichsweise hohen Personalkosten des KSC. Ein Haustarifvertrag mit den von verdi geforderten Lohnerhöhungen würde damit den Bestand des KSC weiter gefährden und einen „turn-around“ noch unwahrscheinlicher machen.
2. Arbeitsbedingungen und Gehaltsstruktur beim KSC
Die Arbeitsbedingungen beim KSC sind im Branchenvergleich gut – dies gilt auch und gerade für die finanziellen Arbeitsbedingungen.
a) Weihnachts- und Urlaubsgeld werden bezahlt – es gibt 28 Tage Urlaub
Neben einer branchenüblichen Stundenvergütung gewährt das KSC allen Beschäftigten Vergünstigungen, die in der Callcenter-Branche nicht üblich sind. So erhalten Beschäftigte des KSC zum Beispiel Weihnachts- und Urlaubsgeld (jeweils ein halbes Bruttomonatsgehalt) und 28 Tage bezahlen Urlaub.
b) Stundenlöhne im Inbound: 8,50 € in der Probezeit, 9,20 € nach der Probezeit, 10,20 € für sog. „Multis“ nach 5-jähriger Betriebszugehörigkeit
Das KSC hat eine einfache Gehaltsstruktur: während der Probezeit erhalten alle Mitarbeiter, die im Inbound als Callcenter Agent eingesetzt sind, einen Stundenlohn von 8,50 € (gültig seit Mai 2013, davor 8,20 €). Nach der Probezeit steigt dieser dann auf 9,20 € (seit Jahren unverändert). Inbound-Mitarbeiter, die 5 Jahre oder länger im KSC beschäftigt sind und für alle Verlagskunden eingesetzt werden können (sog. „Multis“), erhalten 10,20 € (diese Gehaltsstufe wurde im Mai 2013 neu eingeführt).
Schüleraushilfen, Mitarbeiter mit Leitungsaufgaben und Mitarbeiter, die sonstige zusätzliche Funktionen übernommen haben, werden außerhalb dieses Schemas vergütet (siehe hierzu sogleich).
3. Fakten zur Einführung der Gehaltsstufe von 10,20 € für die langjährigen „Multis“
Die Gehaltsstufe von 10,20 € für langjährige „Multis“ wurde Mitte 2013 eingeführt, was dazu führte, dass alle Inbound-Mitarbeiter, die seit mindestens 5 Jahren beim KSC arbeiten und eine sogenannte „Multiqualifikation“ vorweisen (also alle Verlage bearbeiten können), eine Erhöhung ihres Stundenlohns von 9,20 € auf 10,20 € (das sind mehr als 10 %) erhielten. Die Behauptung der Gewerkschaft, es gäbe Mitarbeiter, die nach wie vor seit 13
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Jahren keine Gehaltserhöhung erhalten hätten, ist damit falsch.1 Richtig ist vielmehr, dass bislang 24 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von der neuen Gehaltsstufe profitierten (einige von diesen erhalten aufgrund der Übernahme von weiteren Aufgaben und Funktionen sogar mehr als 10,20 €).
4. Das Gehaltsniveau beim KSC liegt auf (oder sogar über) dem Niveau von verdi-Haustarifverträgen bei vergleichbaren Service- und Callcentern
Damit bewegt sich das KSC bereits auf einem Gehaltsniveau, das auf oder sogar über vergleichbaren verdi-Haustarifverträgen liegt – insbesondere, wenn man die Zahlung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes berücksichtigt. Zum Vergleich: das Callcenter S-Direkt (Callcenter der Sparkassen) zahlt aktuell einen tariflichen Mindeststundenlohn von 8,50 €. Das Callcenter des Branchenriesen walter services GmbH hat sich tariflich zur Zahlung eines Einstiegsstundenlohns von aktuell 8,00 € verpflichtet – erst ab dem 01.01.2015 soll in allen Betrieben von walter services ein tariflicher Mindesteinstiegslohn von 8,50 € bezahlt werden.
5. Die Gehälter der Inbound-Mitarbeiter im Einzelnen
Die den einzelnen Mitarbeitern tatsächlich bezahlten Stundenlöhne (ohne Berücksichtigung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes) weichen in Einzelfällen von der grundlegenden Struktur ab. Insgesamt erhalten von 87 Mitarbeitern im Inbound-Bereich 64 Mitarbeiter einen Stundenlohn in Höhe von 8,50 €, 9,20 € oder 10,20 €. Weitere 23 Mitarbeiter erhalten einen anderen Stundensatz, wobei nur die 5 Schüler-Aushilfen weniger als die „Strukturstundenlöhne“ erhalten; die restlichen 18 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Inbound-Bereich erhalten einen höheren Stundensatz als den der Struktur.
Die von der Struktur (bis auf die Schüler-Aushilfen stets nach oben) abweichenden Beträge wurden im Wege von Einzelvereinbarungen für die Übernahme von besonderen Aufgaben (zB die Tätigkeit als Teamassistent oder die Übernahme anderer zusätzlicher Funktionen) vereinbart.
Im Einzelnen werden folgende Stundenlöhne bezahlt:
5 Schüler-Aushilfen à € 6,50
13 Mitarbeiter à € 8,50
31 Mitarbeiter à € 9,20
1 Mitarbeiter à € 9,60 (zusätzliche Funktion/Aufgabe)
20 Mitarbeiter à € 10,20
11 Mitarbeiter à € 11,00 (zusätzliche Funktionen/Aufgaben, zB Backoffice, Gruppen-ansprechparter im Inbound, Teamassistenz)
2 Mitarbeiter à € 11,50 (zusätzliche Funktion/Aufgabe)
1 Mitarbeiter à € 11,80 (zusätzliche Funktion/Aufgabe)
1 Mitarbeiter à € 12,30 (zusätzliche Funktion/Aufgabe)
1 Mitarbeiter à € 12,55 (zusätzliche Funktion/Aufgabe)
1 Mitarbeiter à € 19,45 (alter VGM-Tarif, resultierend aus einem Betriebsübergang)
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87 Mitarbeiter im Bereich Inbound
1 Eine Mitarbeiterin, die noch im Erziehungsurlaub ist (seit 01/2009 bis 01/2015), wird die Gehaltserhöhung unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub erhalten.
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Die Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen (zB Teamleitung) erhalten ebenfalls ein individuell ausgehandeltes Gehalt (das über dem Stundenlohn von 10,20 € liegt). Diese sind in den 87 MA nicht enthalten.
Nicht enthalten in dieser Übersicht sind ebenso die Outbound–Mitarbeiter des KSC, zurzeit 9 Mitarbeiter. Diese erhalten ein provisionsabhängiges Gehalt (i.d.R. Stundenlohn von 4,50 EUR zzgl. Provisionen).
6. Das KSC handelt bei der Eingruppierung transparent und fair
Die KSC-Geschäftsführung hat die Anfang Mai 2013 eingeführte neue Gehaltsstufe von 10,20 € Stundenlohn für die langjährig beschäftigten „Multis“ fair, transparent und unter strikter Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes eingeführt.
In der Folgezeit beschwerte sich lediglich eine Mitarbeiterin, die auch zu den Streikenden gehört, mit der Begründung, ihr stünden als „Multi“ ebenso 10,20 € zu, sie habe diesen Stundenlohn aber „willkürlich“ nicht erhalten. Das Gegenteil ist richtig: Diese Mitarbeiterin arbeitet aber erst seit 2010 im KSC und erfüllt damit das objektive Kriterium einer 5-jährigen Tätigkeit noch nicht.
Eine weitere Mitarbeiterin, die seit 2003 im KSC arbeitet, war zum Zeitpunkt der Einführung der Gehaltsstufe von 10,20 € im Erziehungsurlaub. Bei ihrer Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub war sie aufgrund ihrer unverzüglichen Teilnahme am Streik noch nicht wieder für das KSC tätig. Auch für sie würde selbstverständlich die Regel gelten: bei einer 5-jährigen Betriebszugehörigkeit zum KSC und einer Tätigkeit als Multi steigt auch ihr Stundenlohn auf 10,20 €. Eine Beschwerde dieser Mitarbeiterin gab es nicht, dieser Fall sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Auch der mitunter kolportierte Vorwurf, man habe den Streikenden die Gehaltserhöhung verwehrt, ist unzutreffend. Von den zurzeit 22 Streikenden verdienen 14 Mitarbeiter 10,20 € oder mehr.
7. Zum aktuellen Stand der Auseinandersetzung
Die Geschäftsführung des KSC ist frühzeitig bereit gewesen, die bestehenden Gehaltsstrukturen und Entgelthöhen im Rahmen eines Tarifvertrages zu regeln, dadurch eine tarifliche Sicherheit für alle Beschäftigten zu schaffen sowie den unberechtigten Vorwurf der “Gutsherrenart” und “Willkür” bei der Gehaltsfindung zu entkräften.
Gehaltserhöhungen sind aufgrund der wirtschaftlichen Situation des KSC aber schlicht nicht finanzierbar. Verdi beharrt bislang jedoch auf der Forderung nach höheren Gehältern und ist nicht bereit, diese Vorbedingung für den Beginn von Tarifvertragsverhandlungen fallen zu lassen.
Die Geschäftsführung des KSC hat mehrfach angeboten, Gespräche über Tarifverhandlungen jederzeit aufzunehmen, sobald verdi die Vorbedingung, dass Gehaltserhöhungen unausweichlich seien, fallen lässt. Bislang gibt es aber leider kein belastbares Signal der Gewerkschaft, dass diese es für möglich hält, zu einer tariflichen Regelung zu kommen, die keine Erhöhung der Gehälter zur Folge hat. Daher ist die Formulierung der Gewerkschaft, man sei zu “Gesprächen ohne Vorbedingungen” bereit, nicht richtig – auch auf mehrfache, ausdrückliche Nachfrage der Geschäftsführung des KSC wollte die Gewerkschaft bislang nicht erklären, dass “Gespräche ohne Vorbedingungen” auch aus Sicht der Gewerkschaft
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bedeuten, dass eine in den Gesprächen gefundene tarifliche Regelung keine Gehaltserhöhungen zur Folge haben muss.
03.12.2013
Michael Nixdorf

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Sehr geehrter Herr Düffert,

anlässlich Ihres Schreibens an die IGM weise ich darauf hin, dass wir wiederholt Tarifverhandlungen, mit konkreten Terminvorschlägen, ohne Vorbedingungen angeboten haben. Wir haben kein Verständnis dafür, dass weder Sie, noch Herr Nixdorf, auch nach nunmehr 60 Streiktagen, nicht auf eines dieser Angebote eingegangen sind. Dort wäre der Raum um über die von Ihnen vorgetragenen Punkte zu diskutieren und zu verhandeln. Wir würden uns freuen, wenn Sie jetzt endlich bereit wären, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten tarifvertraglich zu regeln.

Sie wissen sicherlich, dass der Sinn von Tarifverhandlungen ist, einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss zu finden. Dazu waren und sind wir auch weiterhin bereit. Durch Ihre bisherige Verweigerung tragen Sie allerdings nur dazu bei, dass es zunehmend schwieriger werden wird, einen solchen Kompromiss zu finden. Es liegt daher auch in Ihrem Interesse endlich in Tarifverhandlungen einzutreten.

Wir würden uns freuen, wenn nunmehr zeitnah von Ihrer Seite, Terminvorschläge für die Aufnahme von Tarifverhandlungen erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Kokemüller

ver.di Niedersachsen-Bremen

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