Jens Berendsen (dd_vg) droht Beschäftigten, dass Madsack KSC nicht mehr finanzieren will

Die Geschäftsführer der dd_vg, Jens Berendsen und Michael Linnekuggel, haben in einem Schreiben an die Streikenden vom 26.11.2013 noch einmal ihre Haltung zur Tarifauseinandersetzung beim KSC deutlich gemacht. Zwar haben sie Verständnis für die Tarifforderung, aber gleichzeitig erteilen sie Tarifforderungen eine Absage. Betrieblich ja, aber nicht mit der Gewerlkschaft, so dürfte man diese Stellungnahme, auch lesen können. Bedrohlich argumentieren sie gegenüber den Streikenden, dass die Mediengruppe Madsack das Interesse am KSC verlieren könnte. Was will man mehr hören von einer sozialdemokratischen Beteiligungsgesellschaft? Es geht, dass darf man nicht übersehen, um die Aufnahme von Tarifverhandlungen in einem Betrieb.

Sehr geehrte Damen und Herren,

… Selbstverständlich können wir den Wunsch der Streikenden nach Gehaltsverbesserungen und einem Tarifvertrag nachvollziehen. Wir haben uns als ddvg übrigens immer positiv zum Werkzeug des Tarifvertrages bekannt. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass die Tageszeitungen sich seit Jahren in sehr schwerem Fahrwasser befinden. Nach Jahrzehnten des Wachstums der Branche ist sie seit mehreren Jahren einerseits durch die Demographie, anderseits durch die digitale Revolution unter großen Veränderungsdruck geraten. Diese neue Wirklichkeit mit sinkenden Auflagen und sinkenden Anzeigenerlösen begrenzt die Spielräume der Verlage bei Personal- und Sachkosten in einer Art und Weise, wie wir sie vorher nicht gekannt haben. Vor diesem Hintergrund kommt es zu all den Maßnahmen, die auch Sie ansprechen (Outsourcing), und die übrigens keine Verlagsgeschäftsführung, die wir kennen, gerne ergreift.

Von den verbliebenen geringen Spielräumen hat die Geschäftsführung von KSC im Wege der angesprochenen Lohnanpassungen im Sommer 2013 Gebrauch gemacht. Wir können nachvollziehen, wie die lange Zeitspanne ohne eine Gehaltsanpassung auf Sie gewirkt hat. Wir erkennen in den entsprechenden Handlungen der neuen Geschäftsführung aber ein ernst gemeintes Zeichen, dass diese Problematik erkannt worden ist.

Wir wissen nicht, wie Sie den Begriff einer “konstruktiven Reaktion der Geschäftsleitung” interpretieren. Als mittelbare Gesellschafter haben wir auch keinen direkten Einblick in die Unternehmensvorgänge. Die Geschäftsführung hat uns gegenüber aber versichert, dass sie allein darin ein Problem sieht, sofern dass in dem angestrebten Tarifvertrag Gehaltsanpassungen vereinbart werden sollen, die vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abgekoppelt wären. Falls aber genau dies für Sie Bedingung eines konstruktiven Dialogs ist, müssen wir das zur Kenntnis nehmen. Aber wir bitten Sie zu beachten, dass die wirtschaftliche Situation des Unternehmens sich so darstellt, wie die Geschäftsführung es auch Ihnen mitgeteilt hat. Es geht hierbei nicht um “Angstmache”, sondern darum, die ökonomischen Rahmendaten offenzulegen und zur Kenntnis zu nehmen.

Ihre Darstellung, dass Ihr Unternehmen nicht auf Umsatz ausgelegt sei, verwundert uns; denn selbstverständlich soll KSC als Dienstleistungsunternehmen Umsätze erzielen und tut dies ja auch. Recht haben Sie damit, dass KSC Leistungen erbringt, die auf einer gewachsenen besonderen Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Mediengruppe Madsack aufbauen. Aus diesem Grund wird der von KSC erwirtschaftete jährliche Fehlbetrag bislang von der Mediengruppe Madsack im Konzerninteresse eingeplant. Dies heißt aber nicht, dass KSC keiner Konkurrenz ausgesetzt wäre. Der Markt der Service- (oder: Call) -Center-Leistungen ist von starkem Wettbewerb gekennzeichnet, und übrigens ist es üblich, dass sich Mitarbeiter der Service-Agenturen mit dem Namen der des beauftragenden Unternehmens melden.

Wären die Zeiten andere, würden sich viele der jetzt oder im Fall von KSC schon vor längerem aufgeworfenen Fragen nicht stellen: Bei wachsenden Umsätzen und Erträgen würde kaum ein Verlag über Ausgründungen, Fremdvergaben und Personalabbau nachdenken. Leider sind diese Zeiten für Verlage auf absehbare Zeit vorüber, und die Verlage müssen sich neu strukturieren.

Zu dieser Neustrukturierung zählt auch das, was Sie Expansion nennen. Diese Expansion der Mediengruppe Madsack ist nichts anderes als eine Überlebensstrategie des Unternehmens in einem schrumpfenden Markt. Triebfeder hierfür waren nicht die Gier der Gesellschafter oder der Größenwahn der Geschäftsführung, sondern eine Analyse dessen, wie sich der deutsche Zeitungsmarkt verändern wird. Die Mediengruppe Madsack gehört dabei zu einer Handvoll von Verlagen, die sich als Konsolidierer verstehen und deshalb gute Chancen haben, gestärkt aus diesem Strukturwandel hervorzugehen. Die Gesellschafter haben diesen Weg in den letzten Jahren übrigens auch durch Stellung von Kapital unterstützt.

Lassen Sie uns kurz auf den von Ihnen erhobenen Vorwurf einer überzogenen Renditeerwartung der ddvg eingehen. Frau Dr. Hendricks hatte in ihrer Mail bereits darauf hingewiesen, dass die von uns angestrebte Rendite in erster Linie der Stabilisierung des Unternehmens dienen soll. Wir können das nur bestätigen: Die Verlage müssen einerseits mittelfristig weiterhin Druck und Vertrieb der (Print-)Zeitung leisten, zugleich in den digitalen Wandel investieren, die journalistische Qualität halten und Mittel aufbringen, um anstehende Personalmaßnahmen möglichst sozialverträglich zu gestalten. Vor diesem Hintergrund brauchen die Häuser eine nennenswerte Rendite, denn wo sonst sollen diese Mittel herkommen?! Sie haben die genannten 10% Umsatzrendite für überzogen erklärt. Angesichts der beschriebenen Herausforderungen halten wir diese Orientierungsgröße für sehr gut ableitbar. Mit deutlich geringeren Erträgen jedenfalls fehlen die Mittel für Folgeinvestitionen in Druck, für die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Zustellung, für Investition in journalistische Qualität und auch für sozialverträgliche Personalmaßnahmen etc.

Uns ist bewusst, dass die Prozesse, wie Sie sie z.B. mit Madsack 2018 ansprechen, nicht immer im Einvernehmen mit allen Beschäftigten werden vollzogen werden können. Schließlich gibt es hier institutionelle Interessengegensätze zwischen Gewerkschaft und Unternehmen. Dies gilt auch für Unternehmen, an denen die ddvg beteiligt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Berendsen Matthias Linnekugel

Geschäftsführer ddvg

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