Konzernbetriebsrat von Madsack: Eine Meldung wie ein Faustschlag

kbrinfoDass Madsack in seine Druckerei am Konzernsitz Hannover womöglich nicht weiter investiert, war befürchtet worden. Dass dies die Kolleginnen und Kollegen der Sonntagsschicht aber aus der im Hause gedruckten Bild-Zeitung erfahren sollten, hatte keiner erwartet.Entsprechend empört zeigten sich die Beschäftigten von Druckerei und Weiterverarbeitung, als ihnen Konzernchef Thomas Düffert erklären wollte, wieso Madsack für die betroffenen rund 170 Beschäftigten keine Zukunft mehr sieht und dass es ihm leid tue, dass sie es aus dem Springer-Blatt erfahren hätten: „Dieser Vorgang ist unmöglich, eine bodenlose Frechheit“ Schuld sei die SPD, die ein von ihrer Beteiligungsfirma DDVG (hält 23 Prozent an Madsack) verfasstes Schreiben nicht intern halten konnte.
Die meisten Zuhörer in der sogenannten Ellipse nahmen ihm das freilich nicht ab, viele mutmaßten, das sei bewusst so geschehen – damit schon mal der erste Dampf raus ist nach der Schreckensbotschaft. „Wir sind uns der Konsequenzen bewusst“, beteuerte Düffert. Es sei „klar, dass wir den Mitarbeitern der Druckerei ab 2017 eine ganze Menge zumuten“ Daraufhin durfte sich der Manager mit dem Millionen-Einkommen anhören, was die von Arbeitslosigkeit bedrohten Kolleginnen fürchten und empfinden: „Ich bin 40 Jahre bei Madsack – und Sie schicken mich in die Arbeitslosigkeit“, sagte eine Kollegin. „Ich bin dann fast 60. Sie schicken mich in die Sozialhilfe. Das muss ich nachher meiner Frau erklären und das alles, was wir aufgebaut haben, damit vernichtet wird“, sagte ein seit Jahrzehnten bei Madsack tätiger Drucker, „Sie haben meine Seele kaputt gemacht!“ Eine Kollegin brachte es unter allgemeiner Zustimmung so auf den Punkt: „Ich bin 35 Jahre hier und werde jetzt so in den Arsch getreten!“ 119 Kolleginnen und Kollegen, mehr als zwei Drittel der vom Aus betroffenen Technik-Belegschaft, sind 48 Jahre oder älter – keine guten Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt.

Dass sich ein Investment in die bestehende Druckerei womöglich nicht lohne, habe sich die Unternehmensführung selbst zuzuschreiben, „das ist nicht die Verantwortung der Mitarbeiter. Das Management hat seit 2003 alles runtergefahren, nur Geld verdient aber nichts reingesteckt“, wurde der Konzernspitze und ihren Vorgängern vorgehalten.

Konzerngeschäftsführer Christoph Rüth beteuerte, man habe quasi bis zuletzt gekämpft, den Druckauftrag von Springer zu verlängern und damit der Druckerei in Hannover noch eine Chance zu eröffnen. Dass die Entscheidung für das Aus wohl schon früh recht klar war, verriet der Manager, als er die Befristung für Beschäftigte in der Technik unbedarft begründete: „Weil wir wussten, dass der Bild-Auftrag gekündigt ist.“

Düffert machte der versammelten Belegschaft – darunter viele Kollegen aus den Redaktionen und dem Verlag – auch wenig Hoffnung, einen der etwa 50 in Rodenberg entstehenden Jobs zu ergattern. Das sei „letztlich die Entscheidung von Oppermann.“ Dort wird übrigens nicht nach Tarif gezahlt.

„Rentiert sich nicht“, lautet die im Kern ständig wiederholte Begründung, warum Madsack künftig Fremddrucken lassen will. Hätte man anders entschieden „würden wir Madsack Schaden zufü- gen“, erklärte Düffert. Belege dafür hatte die Geschäftsführung nicht mitgebracht. 25 bis 30 Millionen Euro hätte Madsack in eine neue Druckerei investieren müssen. Diese Mittel stünden jetzt für andere Maß- nahmen zur Verfügung – er ließ offen, wofür. Überhaupt ist die Entscheidung laut Düffert „unumstößlich“. Sie sei „die beste Lösung, die es langfristig für Madsack gibt“. ■

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