Offener Brief zur Werbung für die Kundgebung am 29. August 2015 in Hannover

obOffener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Medienkonzern Madsack plant Ende des Jahres 2016 seine Druckerei in Hannover-Kirchrode zu schließen. 180 Arbeitsplätze gehen verloren, nach heutigem Stand droht mehr als 140 Beschäftigten der „Gewaltakt Arbeitslosigkeit“ (Oskar Negt). Die Druckaufträge sollen in die Firma Oppermann nach Rodenberg nahe Bad Nenndorf verlagert werden – in eine Druckerei, die zu Lasten ihrer und anderer Beschäftigten Tarifdumping betreibt.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat diese Absicht als „nicht hinnehmbar“ bezeichnet. Er hat dies auch mit Blick darauf getan, dass seine Partei, die SPD, über ihre Beteili-gungsgesellschaft DDVG mit rund 23 Prozent der größte Anteilseigner an der Verlagsgesellschaft Madsack ist, die den gleichnamigen Konzern beherrscht, die Madsack-Mediengruppe.

Mit 15 Tageszeitungen, mehr als 30 Anzeigenblättern, der Citi-Post, dem Fernsehdienstleister TVN und zahlreichen anderen Unternehmen in Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Hamburg ist der Madsack-Konzern im Norden und Osten Deutschlands eine publizistische Großmacht mit mehr als 4000 Beschäftigten. Seit Ende 2013 läuft im Konzern ein Rationalisierungsprogramm zur Steigerung der Rendite („Madsack 2018“), dem schon weit über 100 Arbeitsplätze zum Opfer gefallen sind. So wurden u.a. im Jahr 2014 alle 80 Mitarbeiter/innen des Madsack Kundenservicecenters in Hannover entlassen, nach-dem dessen Beschäftigte gegen ihre Billiglöhne aufbegehrt und sich für einen Haustarifvertrag engagiert hatten.

Die bisherigen Gespräche, die ver.di und der Betriebsrat mit der Madsack-Geschäftsführung unter Vorsitz von Thomas Düffert wegen der geplanten Schließung der Druckerei führen, sind geprägt von sozialer Kälte und bislang ergebnislos. Die betroffenen Arbeitnehmer schwanken zwischen Wut und Verzweiflung, denn ihre Aussichten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, sind auch nach Meinung von Ministerpräsident Weil sehr schlecht.
Die Madsack-Geschäftsführung will nicht nur den Druck der in Kirchrode produzierten Tages-zeitungen (Hannoversche Allgemeine Zeitung, Neue Presse und Hildesheimer Allgemeine Zeitung) in die tariflose Druckerei Oppermann nach Rodenberg bei Bad Nenndorf verlagern. Madsack will dort gleichzeitig auch ein knappes Dutzend eigener Anzeigenblätter drucken lassen. Das ergibt wöchentlich eine Druckauflage von mehr als zwei Millionen Zeitungsexemplaren. Das von der Madsack-Geschäftsführung eingeführte Argument, die in Hannover-Kirchrode einst für eine Millionenauflage konzipierte Druckerei könne mit den Tageszeitungen nicht wirtschaftlich ausge-lastet werden, ist damit hinfällig geworden. Dennoch verweigert die Madsack-Geschäftsführung eine Modernisierung der Druckerei in Kirchrode, da der Lohndruck in der tariflosen Druckerei Oppermann billiger würde. – bitte wenden –

ver.di und der Betriebsrat haben Vorschläge zur Arbeitsplatzsicherung sowie für sozialverträgliche Lösungen durch Einsatz von Altersteilzeit-Regelungen vorgelegt. Die Madsack-Geschäftsführung hat alle diese Vorschläge abgelehnt und bietet bislang drei bis vier Ersatzarbeitsplätze an:

1) Die Madsack-Geschäftsführung ist nicht bereit, die Tageszeitungen rund zwei bis drei Jahre länger in Hannover-Kirchrode zu produzieren. Diese Produktionsverlängerung würde es möglich machen, im Rahmen des geltenden Tarifvertrages über die Anwendung von Altersteilzeit rund 80 bis 100 der von Erwerbslosigkeit bedrohten Beschäftigten sozialverträglich in Rente zu führen.

2) Die Madsack-Geschäftsführung ist nicht bereit, mit den Eigentümern der Oppermann-Druckerei Verhandlungen darüber zu führen, dass die bei Oppermann im Zuge der Verlagerung der Madsack-Druckaufträge entstehenden 45 neuen Arbeitsplätze bevorzugt mit Madsack-Beschäftigten besetzt werden.

3) Die Madsack-Geschäftsführung ist nicht bereit, im Zuge der Personalplanung innerhalb des Madsack-Konzerns gemeinsam mit dem Betriebsrat frei werdende Arbeitsplätze zu identifizieren, die (nach einer kurzen Qualifizierungsphase) mit Druckerei-Beschäftigten besetzt werden könnten. Sie behauptet, es gebe keine geeigneten Arbeitsplätze. Wie glaubwürdig ist das in einem Konzern, der mehr als 4000 Beschäftigte hat und mehrere Druckereien betreibt?

4) Die Madsack-Geschäftsführung ist nicht bereit, den Druckerei-Beschäftigten Altersteilzeitregelungen anzubieten, deren aktive Phase über 2016 hinausgeht. Würde ein entsprechender konzerninterner Personalpool gebildet, dessen Beschäftigte ihre aktive Phase der Altersteilzeit in anderen Konzernfirmen zu Ende führten, könnte dies eine sozialverträgliche Lösung für mehr als 90 Druckerei-Beschäftigte werden.

5) Bisher macht Madsack keine Angaben dazu, was nach der Schließung der Druckerei in Kirchrode mit der dann leerstehenden Immobilie geschehen soll. Wird sie abgerissen oder anderweitig genutzt? Auch im Zuge von Aufräumungs-, Demontage- oder Rückbaumaß-nahmen könnten zumindest zeitweise Arbeitsplätze für Druckerei-Beschäftigte entstehen.

Wenn Sie Möglichkeiten sehen, sich für unsere von Erwerbslosigkeit bedrohten Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, sind wir Ihnen sehr dankbar. Sie könnten sich z.B. an den Vorsitzenden der Madsack-Geschäftsführung, Herrn Thomas Düffert, wenden (Verlagsgesellschaft Madsack / August-Madsack-Straße 1 / 30559 Hannover / email: dueffert.thomas@madsack.de)

Sie können auch gemeinsam mit den Druckerei-Beschäftigten Flagge für sozialverträgliche Lösungen zeigen. Wir laden Sie herzlich ein zur Kundgebung am Samstag, 29. August 2015, Beginn 14.00 Uhr direkt vor dem Anzeigerhochhaus am Goseriedeplatz in Hannover. Es gibt auch Musik und anschließend Gespräche bei Speis und Trank in den angrenzenden ver.di-Höfen. Wenn Sie ein Motorrad fahren, bringen Sie es bitte zum Biker-Korso am 29. August um 14 Uhr mit.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Lutz Kokemüller

Landesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie

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