Ostsee-Zeitung: Statt 18 geht es um 30 Stellen

ozmachrichtenDie Sparpläne für die Redaktion der Ostsee-Zeitung sind noch drastischer als bislang dargestellt. Statt um 18 würde die Redaktion um insgesamt fast 30 Stellen ausgedünnt. Darüber informierte der Betriebsrat in seinem Rechenschaftsbericht auf der Betriebsversammlung, an der rund 150 Kolleginnen und Kollegen aus Pressehaus und den neun Verlagshäusern teilgenommen haben. Die Leitung widersprach dem nicht. Offenbar hat das Madsack-Management konkrete Spar-Vorgaben gemacht, die nun im Haus umgesetzt werden sollen.

 „Lokalredaktionen ohne Sekretariate, überlastete Produzenten am Desk, zu wenige Reporter vor Ort. Das ist für uns kein Konzept für die Zukunft.“ Der Betriebsrat konnte nachweisen, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage solche Einschnitte nicht erfordert: So hat die Ostsee-Zeitung den Gewinn im vergangenen Bilanzjahr um rund eine Million auf 7,3 Millionen Euro gesteigert. Das gibt aus Sicht des Betriebsrates ausreichend Spielraum, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern – ohne Menschen in die Arbeitslosigkeit zu schicken. „Wir können das: Mutig vorwärts in die Zukunft gehen und alle, die es wollen, dabei mitnehmen!“

 Gerda Theile vom Deutschen Journalisten-Verband warnte aus der Erfahrung in anderen Betrieben, etwa den Kieler Nachrichten, vor unzumutbaren Arbeitsbedingungen in einer ausgedünnten Redaktion. Die Sekretariate leisteten wichtige Hilfe, um die Journalisten zu entlasten. Gemeinsam mit Martin Dieckmann (ver.di) bekräftigte sie die Forderung nach tariflichen Mindest-Besetzungsregeln. „Sechs Seiten pro Redakteur und Tag sind nicht zu schaffen“, so Theile mit Verweis auf die Pläne zur Besetzung der lokalen Newsdesks.

Dieckmann warb für die erprobte Solidarität zwischen Redaktion, Verlag und Technik. „Wir sind am Beginn eines Sparprozesses und es sind weitere Bereiche in Größenordnungen bedroht.“ Halte die Belegschaft nicht zusammen, werde sie im Zuge des Programms „Madsack 2018“ scheibchenweise zerlegt. „Nur wo Druck aufgebaut wird, gibt Madsack nach!“ Mit dem Altersteilzeit-Tarifvertrag sei ein Baustein für einige, aber eben nicht für alle Betroffenen geschaffen worden. Vor allem Teilzeitbeschäftigte könnten sich ein vorzeitiges Ausscheiden in die Rente kaum leisten.

Geschäftsführerin Stefanie Hauer bat um „Verständnis, Optimismus und Vertrauen“ für die anstehenden Aufgaben. Es werde „schmerzliche Veränderungen“ geben, aber auch viel Gutes. Details nannte sie auf Nachfrage nicht.

 Geschäftsführer Adrian Schimpf verwies auf sinkende Auflagen und Anzeigenerlöse. Zugleich stellte er die vom Betriebsrat zitierten Geschäftszahlen 2014 der Ostsee-Zeitung infrage. Postwendend gab es einen Rückzieher.

Geschäftsführer Rainer Strunk bestätigte die vom Betriebsrat genannten Bilanzzahlen und erklärte, ihn interessierten nicht die Ergebnisse der Vergangenheit, sondern man wolle die Zukunft optimieren. Schließlich wolle auch er „hier bis zur Rente arbeiten“.

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Ein Kommentar zu “Ostsee-Zeitung: Statt 18 geht es um 30 Stellen

  1. Es scheint, als bekommt die Madsack-Führung den Hals nicht mehr voll.
    Wenn denn auch die alten Führungsriegen auch manchmal etwas „schwierig“ waren, so scheint der aktuelle Vorsitzende der Madsack-Geschäftsführung vollkommen aus den Fugen zu geraten.
    Statt die Belegschaft auf die „Reise“ mitzunehmen, bringt sie diese nur noch gegen sich auf.
    Mit Führung eines Betriebes hat dieses nicht mehr viel zu tun.
    Das Problem dabei ist nur: Erst wenn die Erde verbrannt ist, sieht man, dass man seinerzeit den falschen Weg eingeschlagen hatte.
    Nur… dann ist es schon zu spät…

    Die Spur der verbrannten Erde zieht sich schon durch halb Norddeutschland.
    Wann legt man diese GF an die Kette?

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