Tageszeitungen im Streik: Norden soll nicht abgehängt werden!

In einer gemeinsamen Presse-Erklärung von ver.di und DJV informieren beide Gewerkschaften über die breite Beteiligung ihrer Mitglieder aus den Redaktionen im Norden.“Die Redaktionen der Kieler Nachrichten, der Lübecker Nachrichten, der Segeberger Zeitung und von Flensborg Avis sind heute in einen befristeten Warnstreik getreten. Nicht beteiligt ist die Belegschaft des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz), der vor einigen Jahren aus der Tarifbindung ausgeschieden ist.

 Mit dem Ausstand unterstützen die Redakteurinnen und Redakteure die bundesweiten Gehaltstarifverhandlungen im Tageszeitungsbereich, die heute in Düsseldorf fortgesetzt werden. Zum Streik hatten der Deutsche Journalistenverband (DJV) und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di aufgerufen.

 „Wir befürchten, dass der Norden schlicht abgehängt werden soll“, sagt Günther Jesumann, amtierender Landesvorsitzender des DJV. „Dies werden wir uns nicht bieten lassen.“ Hintergrund ist, dass der Verband der Zeitungsverleger Norddeutschland, dem Tageszeitungen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angehören, sich an der laufenden Tarifrunde nicht einmal beteiligt, also mutmaßlich Abschlüsse auf Bundesebene nicht anerkennen will. „Die Journalisteninnen und Journalisten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern leisten qualitativ ebenso gute und erfolgreiche Arbeit, wie die Kolleginnen und Kollegen im restlichen Bundesgebiet. Es ist deshalb nicht akzeptabel, dass die Verleger eine schlechtere Vergütung für den Norden anstreben. Die Arbeitgeber täuschen sich, wenn sie glauben, dass sie die Belegschaften spalten können und diese nicht solidarisch zusammenstehen. Dies zeigt sich in der Streikaktion des heutigen Tages“, sagt Martin Dieckmann, Fachbereichsleiter Medien, Ver.di-Landesbezirk Nord.

 Aktuell stocken die Verhandlungen auf Bundesebene. Der DJV fordert eine Anhebung der Gehälter um 4,5 Prozent, Ver.di will fünf Prozent mehr für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen. Die Verleger haben eine zweiprozentige Erhöhung angeboten, die sich über zwei Jahre verteilen soll. Die Zeitungsverlage in Niedersachsen und Bremen fordern, eine Gehaltserhöhung auf Dezember 2017 zu verschieben.

 „Wir hatten viele Jahre Verständnis für die schlechte Lage in vielen Verlagen – wir alle wissen, dass Zeitungen unter der Konkurrenz des Internets leiden“, so Jesumann. „Aber wir sind nicht bereit, Gewinne der Verlage durch Einschnitte bei der Belegschaft zu erkaufen.“ In allen Redaktionen verdichte sich die Arbeit, immer weniger Köpfe und Hände müssen immer mehr Inhalte füllen. „Die Verlage tun sich keinen Gefallen damit, ihre Beschäftigten, das wichtigste Kapitel eines Nachrichten-Unternehmens, zu verprellen“, sagt Dieckmann.

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