Lautstarker Protest gegen Madsacks Spardiktat

ozprotest
Von neuerlichen Protestaktionen der Belegschaft begleitet, werden die Gespräche über den geplanten Personalabbau bei der Ostsee-Zeitung fortgesetzt. Die Verantwortlichen für das umstrittene Konzept scheuen die öffentliche Debatte. Lautes Sirenengeheul und gellendes Pfeifkonzert haben den Auftritt von Madsack-Konzernchef Thomas Düffert in Rostock begleitet. Eine Abordnung von Mitarbeitern der Ostsee-Zeitung (OZ), die wegen des Sparprogramms „Madsack 2018“ um ihre Arbeitsplätze fürchten, demonstrierten vor dem Hotel, in dem sich der Manager aus Hannover von der journalistischen Chefetage des Blattes deren „Zukunftsvisionen“ vorführen ließ.

Düffert ergötzte sich drinnen an Currywurst, den mit Hilfe der Unternehmensberatung Manres erstellten Bildschirmfolien zur lichten Zukunft der Ostsee-Zeitung und einer Gesangsdarbietung leitender Redakteure („Hey Jude“), verlor ein paar verachtende Worte („Hanseln“) über die Protestierenden und scheute einmal mehr die direkte Auseinandersetzung mit den Opfern des von ihm vertretenen Kurses. Das Kneifen hat Tradition: Als beim Neujahrsempfang der OZ im Januar Mitarbeiter gegen die beabsichtigte Streichung eines Viertels der Stellen in der Redaktion demonstrierten, verließ der 49-Jährige den Ort des Geschehens lieber durch die Tiefgarage. Jetzt wurden sogar Mitarbeiter ausdrücklich von der Veranstaltung ausgeladen; man fürchtete anscheinend eine Störung der schönen heilen Madsack-Welt.

Es war bereits die zweite Protestaktion des Tages, die die Gespräche zwischen Geschäftsleitung und dem Betriebsrat begleitete, an denen neben einem Sachverständigen auch ein Vertreter der Gewerkschaft ver.di teilnahm. Bereits zur Mittagsstunde hatten Mitarbeiter spontan den Beratungsraum aufgesucht, um sich über den Stand der Gespräche zu informieren und als Kritik an den Plänen zum Personalabbau einen „OZ-Existenzvernichterpreis“ zu übergeben. Anschließend zogen sie vor das Medienhaus am Rostocker Steintor und machten ihrem Unmut öffentlich Luft.

Denn trotz stetiger Millionengewinne bei der OZ will der Konzern aus Niedersachsen, dessen größter Gesellschafter die SPD über ihre Medienholding ddvg ist, an der Küste nach dem Aderlass in der Redaktion auch den Abbau von rund 50 Stellen im Verlagsbereich durchsetzen. Wie hoch die beabsichtigten Einsparungen durch Entlassungen, Ausgliederung in tariflose Firmen und Zentralisierung in Unternehmen außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns tatsächlich ausfielen, konnte das Management den Arbeitnehmervertretern bislang nicht vorrechnen. Wie diese sind auch zahlreiche andere Fragen des Betriebsrates bislang ungeklärt, wie aus dessen Veröffentlichung hervorgeht.

Stattdessen versucht die Geschäftsführung Druck auf die von Kündigung Bedrohten zu machen. Wer aus ihrer Sicht keine Zukunft bei der OZ hat, bekommt etwa „rein vorsorglich“ Job-Angebote einer Lübecker Reinigungsfirma vorgelegt, um sich schon einmal „beruflich neu orientieren“ zu können. Betriebsrat und ver.di kritisierten das heftig als plumpen Versuch, die bei Entlassung zwingend erforderliche Sozialauswahl zu unterlaufen.

Die Gespräche werden am 15.11. fortgesetzt.

(Von der Web-Seite Qualität und Vielfalt sichern)

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